"Alle Weltverbesserer, Priester und Philosophen sind einig in der Meinung, daß das Leben eine Angelegenheit des schärfsten Nachdenkens sei, aber das Leben der Welt geht seine eigenen Wege und kümmert sich nicht um das, was von ihm gedacht wird. Denn nur der Handelnde, der Mensch des Schicksals, lebt letzten Endes in der wirklichen Welt, der Welt der politischen, kriegerischen und wirtschaftlichen Entscheidungen, in der Begriffe und Systeme nicht mitzählen. Hier ist ein guter Hieb mehr wert als ein guter Schluß, und es liegt Sinn in der Verachtung, mit welcher der Soldat und Staatsmann zu allen Zeiten auf die Tintenkleckser und Bücherwürmer herabgesehen hat, die der Meinung waren, daß die Weltgeschichte um des Geistes, der Wissenschaft oder gar der Kunst da seien. Das vom Empfinden freigewordene Verstehen ist nur eine Seite des Lebens und nicht die entscheidende."

(Oswald Spengler in Der Untergang des Abendlandes)

Jesus Christus, der von sich behauptete, ein König im Reich der Wahrheit zu sein, musste also unter solchen Umständen an dem "herrschenden System" scheitern, welches ihm die Rechnung alsbald mit seiner Kreuzigung servierte. Aber dieses "Scheitern" war von einer höheren Instanz einkalkuliert, was Jesus gegenüber Pilatus klar zum Ausdruck brachte, indem er sagte: "Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben her gegeben." * Und diese Macht als die hinter allen Dingen wirkende Instanz ist die Art von Wahrheit, mit der Jesus die Welt konfrontiert hat.

Also ist die wirkliche Welt nicht aller Weisheit letzter Schluß. Eine bewirkte Welt ist Absicht und Ausdruck des Wirkenden. Und so ist eine Welt der politischen, kriegerischen und wirtschaftlichen Entscheidungen genau das, was sie sein muss, wenn sie nicht nach der Natur ihrer Herkunft fragt, nach den Eigenschaften des Wirkenden, und somit nach der Wahrheit. Eine Ideologie nach der Maßgabe von "Der Mensch ist das Maß aller Dinge" ist genau so Maß los wie eine Natur ohne Naturgesetze. Und wo das Maß fehlt, entsteht das Chaos des Ungleichgewichts. Es ist "nur" ein Spiel auf Zeit. Und davon hat die Wahrheit, ihrer Natur entsprechend, unendlich viel. So wundert es nicht, dass dieser hier und heute veranstaltete "Wettlauf auf Zeit" bereits von Anfang an ein verlorenes Spiel ist, das in jedem Augenblick die Möglichkeit eröffnet, zur Besinnung zu kommen und über den Sinn nachzudenken, mit der Besinnung den Sinn zu finden. Dass so viele an dieser Aufgabe scheitern, ist ein Rätsel, weil sie nicht allzu schwer ist bei richtigem Fragen, das die richtige Antwort enthält: Welches Reich ist unvergänglich? Es ist das Reich der Wahrheit, weil Wahrheit ewig ist. Spätestens an diesem Punkt sollten wir in der Lage sein zu erkennen, was Jesus meinte, als er sagte, dass er gekommen ist, um für die Wahrheit zu zeugen. Der Rest ergibt sich ganz von selbst: Wer aus der Wahrheit ist bzw. wem es um die Wahrheit geht, vernimmt die Worte Jesu in aller Deutlichkeit.

Wanderung zur Bergknappenhöhle im Schönbuch

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