Hippokrates: "Das Leben ist eine Komödie für die Denkenden und eine Tragödie für die Fühlenden. Durch Fehler und Irrtümer vervollkommnet sich der Mensch. Durch das Leid aber lernt er, dass alle Wege, die in Dunkelheit beginnen, zum Lichte führen müssen."

"Wenn ich die Verblendung und das Elend des Menschen sehe, wenn ich das ganze stumme Weltall betrachte und den Menschen: ohne Licht, sich selbst überlassen und verirrt in diesen Winkel des Weltalls, ohne zu wissen, wer ihn dahin gestellt hat, wozu er dahin geraten ist, was aus ihm werden wird, wenn er stirbt, unfähig jeder Erkenntnis - kommt das Entsetzen über mich, wie über einen Menschen, den man schlafend auf eine verlassene und furchtbare Insel getragen, und der erwacht, ohne zu erkennen, wo er ist, und ohne Möglichkeit, sie wieder zu verlassen. Und dann wundere ich mich, dass man nicht der Verzweiflung über einen so erbärmlichen Zustand verfällt."

Blaise Pascal, Pensées

So könnte ein Abenteuer beginnen oder ein Experiment mit ungewissem Ausgang, uns Menschen schicksalhaft verordnet zur Klärung der Frage, welche Voraussetzungen und Möglichkeiten im Dasein vorhanden sind, um dessen Sinn zu erkennen. Für die Suche des Weges zum Ziel unserer Bestimmung sind wir ausgestattet mit Geist, Intelligenz, Intellekt und Intuition, die weise angewandt sein wollen, um Licht in das Dunkel zu bringen.

Kein Mensch wird bei seiner Zeugung gefragt, ob er einverstanden ist, ins Dasein gebracht zu werden; ebenso wenig, ob er mit dem Zeitpunkt seines Todes einverstanden ist. Das Leben ist, wie es ist. Der Tod erklärt jedoch alles für vergebliche Mühe. Was also ist der Sinn?

Die Entwicklung wird von der psychologischen und sozialen Umgebung geprägt.

Eines Menschen Abhängigkeit von seiner Umgebung zeigt sich zuallererst bei der Entwicklung Neugeborener, wenn durch das Fehlen von Aufmerksamkeit und Liebe Defizite in der kognitiven Entwicklung (Wahrnehmung, Denken, Sprache) und bei der Ausbildung von Gefühlen und Sozialverhalten entstehen, was im Extremfall zu totaler Nahrungsverweigerung mit Todesfolge führt. Bleibt der Mangel bei der Weiterentwicklung eines Kindes erhalten, setzt sich die Symptomatik fort und äußert sich mitunter durch Verweigerung von geistiger und seelischer Nahrung.

Dr. Alfred Burger zeigt durch den Artikel "Was Kinder in der Schule brauchen" sehr anschaulich, welche Folgen der Einfluss von Eltern, Lehrenden oder anderen wichtigen Bezugspersonen auf die empfindsame Seele eines Kindes haben kann.

Prof. Dr. Ulrich Elbing schreibt zur menschlichen Entwicklung: "Die Botschaften und Einschärfungen, die jeder Mensch von Anfang an erhält, verarbeitet er zu einer grundlegenden Einstellung sich selbst und den anderen gegenüber. Er kann sich selbst annehmen, so wie er ist, oder er kann sich selbst ablehnen. Ebenso verhält es sich den anderen gegenüber. Er kann die anderen annehmen, so wie sie sind, oder aber sie ablehnen. Jeder Mensch entwickelt also ein Gefühl für seinen eigenen Wert oder Unwert und für den Wert oder Unwert seiner Mitmenschen. Setzt man die beiden Aspekte dieses Wertempfindens zusammen, so ergeben sich vier Möglichkeiten der Einstellung gegenüber sich selbst und den anderen:

Die Grundpositionen 

(1) Ich bin ok und die anderen sind ok.

(2) Ich bin nicht ok und die anderen sind nicht ok.

(3) Ich bin ok und die anderen sind nicht ok.

(4) Ich bin nicht ok und die anderen sind ok.

Fatalerweise finden wir uns häufig dann in einer negativen Grundposition wieder, wenn eine Situation uns besonders fordert und es uns gerade gut bekäme, in der positiven Grundposition "Ich bin ok und du bist ok" zu sein. Andererseits sind wir in der Lage, uns die positive Grundposition wieder zu erobern, auch wenn wir sie unter Stress verlassen haben.

Wie leicht es uns gelingt, unsere Positionen zu wechseln bzw. wie stark wir unserer Stressposition verhaftet sind, ist mitentscheidend dafür, wie gut wir mit unseren Problemen und Aufgaben zurechtkommen. Die positive Grundposition ist deshalb mit erfolgreicher Problemlösung verknüpft, weil alle anderen Grundpositionen in Verbindung mit einem einschränkenden Skript stehen. Und weil zur Bestätigung dieses Skripts die Realität verzerrt werden muss, lässt sich keine gute Problemlösung finden. Denn das erfordert einen ungetrübten Blick auf die Realität, so wie sie ist."

Realität

Welche Wege stehen uns offen, sie so wie sie ist wahrzunehmen? Wahrnehmung erfordert Empfindlichkeit (Kanal) und Empfänglichkeit (Kapazität) als Einheit, deren Existenz erlebt werden kann. Das erlebende Bewusstsein ermöglicht, sich selbst und andere als Ich geistiger Natur (1, 2, 3, 4) und die Welt als Objekt sinnlicher Natur zu erleben. Wahr im Sinne von Wahrnehmung ist zunächst also immer das, was durch das Bewusstsein erlebt wird.

John Kihlstrom 1987 in Science: "Bewusstsein ist nicht mit spezifischen perzeptorisch-kognitiven Funktionen wie dem von Unterscheidungen geleiteten Reagieren auf Stimuli, mit Perzeption, Gedächtnis oder den höheren mentalen Prozessen zu identifizieren, die an einer Beurteilung oder Problemlösung beteiligt sind. Alle diese Funktionen können jenseits der phänomenologischen Aufmerksamkeit stattfinden. Bewusstsein ist eher eine Qualität des Erlebens, die jede dieser Funktionen begleiten kann."

Unser Unvermögen, die Natur der Dinge unmittelbar zu erkennen, zwingt unser Bewusstsein, seinen durch sinnliche Empfindungen hervorgerufenen Inhalten einen spezifischen Grad an Abstraktion zuzuweisen. Wir wissen von den Dingen also nur, was das Bewusstsein abstrahiert, und erkennen mit Hilfe des Denkens durch die Verknüpfung von Wissen.

Das Standardmodell der Elementarteilchenphysik beschreibt Elementarteilchen und Wechselwirkungen. Deren Natur bleibt verborgen. Unser Wissen beschränkt sich auf Phänomene und Abstraktion, weil ein unmittelbares Erkennen unmöglich ist. Deshalb müssen wir den Modi, mit denen wir Kenntnis über die Dinge der Welt erhalten, vertrauen. Dieses Vertrauen setzt den Glauben an deren Ursache voraus. Er wird somit aufgrund der Begrenztheit unserer subjektiven Erkenntnis zur Notwendigkeit.

Die Struktur der Schöpfung ist also auf Glaube hin angelegt. Sie verheimlicht uns ihr wahres Wesen und ihre wahre Natur. Ein Blick "hinter den Vorhang" ist nicht möglich. Erklärungen für Theorien und Phänomene beruhen letzten Endes immer auf nicht beweisbaren Annahmen, weil das zu Grunde Liegende nicht unmittelbar erkennbar ist und ein direkter Zugang zu den Dingen fehlt.

Man kann deshalb von einem Menschen nicht mehr erwarten, als ein Glaubensbekenntnis, wenn er zu seinen Überzeugungen Stellung nimmt. Somit erweist sich der Glaube als Grundlage unseres mentalen Seins. Ohne diese Grundlage scheint ein menschliches Dasein schlicht unmöglich zu sein, egal ob wir nun Wissenschaft oder Religion betreiben.

Dass ein Mensch sich durch die dem Glauben inliegende Natur, von einer Wahrheit oder einem Irrtum überzeugt zu sein, leiten lässt, zeigt, dass er immer das tut, was durch seine geistige Natur bedingt ist: Antworten zu suchen, die nicht nur Auskunft über das Was geben, sondern auch über das Warum. Jede Frage beinhaltet auch die Frage, warum sie gestellt werden kann. Und weil Fragen ein geistiger Akt ist, ist jede Frage ein Hinweis auf den menschlichen Geist.

Max Thürkauf: "Die Frage "Was ist Geist?", ist Geist."

Das Ich des Menschen

Auch das menschliche Ich ist eine Realität, die mit ungetrübtem Blick wahrgenommen werden sollte. Wozu es fähig ist, zeigt die Geschichte mit ihrem Meer von Blut und Tränen. Warum ist der Mensch zu Gier, Machtgier, Machtmissbrauch und Hass fähig? Warum ist er bereit, Krieg zu führen? Unter welchen Umständen ist er fähig, einen Menschen zu töten? Was bedeutet es, zu lieben und geliebt zu werden? Wer wagt eine Antwort? Ist eine solche möglich?

Menschliches Tun findet im Spannungsfeld von Eigenwohl und Gemeinwohl statt. Beides verlangt Beachtung und erfordert verantwortliches Handeln. Hierbei besteht immer die Gefahr von Fehlleistungen aufgrund menschlicher Schwächen. Sind die Motive für eine Tat von vorneherein unlauter, ist Egoismus ihre Grundlage. Wird er von vielen gelebt, wird die Anzahl der Macht Ausübenden zu einem Maß für die Lieblosigkeit, der Geheimdienstmitarbeitenden für die Machtgier, der Polizisten für die Gewaltbereitschaft und der Rechtsanwälte für die Morallosigkeit einer Gesellschaft.

Warum ist der Mensch so, wie er ist? Es ist ganz einfach. Der Mensch ist so, weil er frei ist. Zwar ist diese Freiheit beschränkt aufgrund der Bedingungen dieser Welt, in den ihr verbleibenden Freiheitsgraden ist sie jedoch absolut im Denken, Tun und Handeln bei der Erfassung der Unendlichkeit der geistigen Welt und bei der Sammlung von Erfahrungen (Empirie) im Mikro- Meso- und Makrokosmos der physischen Welt.

Dies sollte immer beachtet werden bei der Annahme, dass der Mensch keinen Freien Willen hat. Wäre es so, wäre jeder verurteilte Mörder ein Absurdum, weil jeder Mord im Sinne einer fehlenden Willensfreiheit ge-recht-fertigt wäre. Es wäre dann eben alles "recht".

"Biologische Gegebenheiten bilden tatsächlich das Fundament unserer Persönlichkeit und unserer Verhaltenstendenzen. Aber im Namen des freien Willens - und der politischen Korrektheit - leugnen wir gern die biologischen Einflüsse im Gehirn und kämpfen damit gegen unsere Natur an. Wenn wir anerkennen, dass unsere Biologie auch von anderen Faktoren - beispielsweise den Geschlechtshormonen und ihren Schwankungen - beeinflusst wird, verhindern wir, dass sie eine festgelegte, alles beherrschende Realität schafft. Das Gehirn ist vor allem eine hochbegabte Lernmaschine. Nichts ist endgültig festgelegt. Die Biologie hat starke Auswirkungen, aber sie hält uns nicht in einer bestimmten Realität gefangen. Wir können diese Realität verändern, mit Intelligenz und Entschlossenheit können wir einerseits das hohe Lied der Geschlechtshormone singen und andererseits Einfluss darauf nehmen, wie sie sich auf unsere Gehirnstruktur, Realitätswahrnehmung, Kreativität und unser Verhalten - und damit auch auf unser Schicksal - auswirken."

Louann Brizendine, Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer.

Unsere geistige Freiheit ermöglicht uns, auf eine Situation bezogen immer eine der 4 Grundpositionen nach Elbing einzunehmen. Hierbei besteht die Gefahr, dass die Realität nicht so wahrgenommen wird, wie sie tatsächlich ist, sondern eben so, wie sie durch die begrenzten Möglichkeiten der Kommunikation und Wahrnehmung (für wahr nehmen) zum subjektiven Erleben und Interpretieren wird.

Die Frage nach Schuld kann deshalb auch als Frage nach Irrtum betrachtet werden. Wie viel wäre auf dieser Welt schon vermeidbar gewesen, wenn Menschen nicht im Irrtum gehandelt hätten!?  Die Frage ist also immer, wie ein Mensch ist und wie er auf andere wirkt, was er meint und wie es verstanden wird.

Paul Watzlawick: "Wahr ist nicht, was A gesagt hat; wahr ist, was B verstanden hat."

Wenn Kant dem Menschen eine selbst verschuldete Unmündigkeit zuspricht durch das Fehlen von Entschlußkraft und Mut zur Nutzung seines vermögenden Verstandes ohne Leitung eines anderen, zeigt der Irrtum seine Vorherrschaft gegenüber der Schuld in der Unvollkommenheit der sinnlichen Wahrnehmung und der daraus resultierenden Unvollkommenheit der Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Da Neugier die treibende Kraft für Entschlußkraft und Mut ist, ist der Verstand mehr gefordert, die Neugier im Zaum zu halten als die Entschlußkraft und den Mut. Neugier geht einer Tat immer voraus, Schuld folgt ihr immer nach. Deshalb ist das Vordenken in dem Maße wichtiger, wie es dem Nachdenken vorausgeht. Hätte man dies beachtet, wären uns die Schrecken der Atombomben und Atomkraftwerke erspart geblieben. Aber auch dazu hatte der Mensch die Freiheit.

Die Neugier steht selbstverständlich auch immer stellvertretend für jede andere Art von Gier und bildet das Spannungsfeld, welches sich auftut zwischen den nicht vermeidbar unvollkommenen Grundlagen für Entscheidungen und dem Risiko, das man einzugehen bereit ist bezüglich der nicht vorhersehbaren Folgen der daraus folgenden Taten.

Was aber bestimmt unsere Risikobereitschaft? Ziehen wir Elbing zu Rate, ist die Antwort einfach. Wir nehmen die Position 1 ein und sagen: "Ich bin ok und das Risiko, das ich eingehe, ist auch ok." Durch diesen Akt verwandelt sich das Spannungsfeld gleichsam in ein Experimentierfeld, welches die akzeptierte Gefahr zu einer Frage an Mensch oder Natur macht, weil jedes Experiment letztendlich immer eine Frage ist mit dem Charakter: "Was passiert, wenn etwas passiert?"

Das Experiment

Deshalb kann das menschliche Dasein als Experiment betrachtet werden, das sich aus der Freiheit des Menschen zu allem ihm möglichen Tun ergibt. Die sich daraus ergebenden Folgen lassen erkennen, was richtig und was falsch, was sinnvoll und was sinnlos, was gut und was böse ist. Das Maß an Vordenken und das Maß an Erkenntnisfähigkeit bestimmen also das Maß an Schuld. Wie aber können wir wissen, welcher Maßstab hierfür gilt?

Die Welt ist ein Indizienprozess. Sie weist uns auf ihre Grundlage hin. Alles Sein kann nur zwei Dinge tun: von sich selbst künden und von seiner Grundlage. Wenn Neugeborene mangels Liebe und Zuneigung sterben können, scheint nur das richtig zu sein, was die Liebe gebietet. Gibt es ein höher anzusiedelndes Prinzip, als die Liebe? Wenn nein: Spüre ich den Wunsch in mir, mein Leben nach diesem Prinzip leben zu wollen? Wenn ja: Welches Prinzip ist denkbar und warum erachte ich es höher?  

Für manche Menschen ist dies das "Prinzip Egoismus". Es ist bequemer und bringt scheinbar mehr ein. Wird es angewendet, ist der Kampf aller gegen alle vorprogrammiert und Schwächere bleiben dabei gelegentlich auf der Strecke. Zwar ist die Tierwelt instinktgesteuert, sie stellt aber eine interessante Parallele zu egoismusgesteuertem Verhalten dar. Es gilt die Regel "Fressen und gefressen werden" und es gibt keine Gnade. Unter solchen Bedingungen ist es schwer, Liebe zu üben.

Auch ein Mensch ist ein Indizienprozess. Er ist in jedem Augenblick seines Lebens er selbst und das, was ihm zu Teil wurde in der Mutter-Kind-Beziehung und allen anderen späteren Beziehungen. Jede erfahrene Zuwendung und jeder erfahrene Mangel bilden die Grundlage für seine Persönlichkeitsentwicklung und letztendlich für soziales und egoistisches Verhalten. Und so entsteht dann der Mensch als des Menschen Wolf.

Henry Kissinger: "Soldaten sind nur dumme Tiere, die als Schachbauern in der Außenpolitik benutzt werden."
Council on Forein Relations Journal

Und für Jeremias Gotthelf wird es "schwer, die rechte Mitte zu treffen: Das Herz zu härten für das Leben, es weich zu halten für das Lieben."

Wenn Menschen aufgrund von Liebesentzug sterben können, liegt es nahe, das Unlogischste und Unberechenbarste, das es gibt, das Leben, bei der Quelle für die Liebe zu suchen, also bei einer Person, weil Liebe immer persönlich ist. Sie gibt allen Menschen das Leben und wird gemeinhin mit dem Begriff Gott belegt. Dieser Begriff aber bereitet nicht wenigen Menschen Probleme. Viele tun sich schwer mit der Transzendenz. Bei Philosophen steht er oft am Anfang des Denkens und für Materialisten existiert er überhaupt nicht. Für religiös Indoktrinierte ist er ein Monster und für Diskussionsfreudige mitunter ein Streitthema.

Bei der Suche nach Gott fand Max Thürkauf zu folgender Erkenntnis: "Liebe und Freiheit sind untrennbar. Das bedeutet, dass Gott das Wesen der Freiheit, den Menschen, nicht zur Liebe zwingen kann. Sonst müsste er uns die Freiheit, also das Menschsein nehmen. Es gibt keine Liebe ohne Freiheit, aber auch keine Freiheit ohne Liebe."

Es heisst nicht Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sondern im französischen Original liberté en egalité et fraternité, also Freiheit durch Gleichheit und Brüderlichkeit. Das eine ist das Ziel, die anderen beiden der Weg dahin. So hat es Montesquieu gemeint. Bei der Französischen Revolution wurde also die Liebe vergessen mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Freier Wille

Der Mensch ist also frei, weil er geliebt ist von einer Liebe, die schon vor ihm existierte und ihn wollte, um sich ihm zu geben in freier und gegenseitiger Achtung und Zustimmung. Grundlage jeder Art von Liebe ist der freie Wille, also die Freiheit, zu lieben. Ohne diese Freiheit ist wahre Liebe unmöglich. Wer liebt, spürt, dass dies der Wahrheit entspricht. Liebe kann nur wahr sein. Verliert sie ihre Wahrheit, verliert sie ihr Wesen und wird zur Lieblosigkeit.

Und dieser Gott, wie immer wir ihn uns auch vorstellen mögen, dieses Wesen der Liebe, hat uns in der Weltgeschichte ein bestimmtes Maß an Zeit zur Verfügung gestellt, damit wir uns beweisen können, dass es ohne Liebe nicht geht. Der Zustand der Welt zeigt, dass wir für das Gute nicht autonom sind.

Wo das "Prinzip Liebe" missachtet wird, nimmt das "Prinzip Chaos" zu. Dies hat Paulus erkannt und in folgendem Satz ausgedrückt: "Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

Das "Prinzip Hoffnung" allein bringt also nichts, solange es nicht auf der Voraussetzung und Grundlage allen Seins, dem "Prinzip Liebe" aufbaut. 

Von manchen Menschen wird die Weltgeschichte auch als Heilsgeschichte bezeichnet. Friede und Heil werden uns nur zu Teil, wenn wir erkennen, was richtig, sinnvoll und gut ist, und danach handeln. Gottes Liebe lässt uns die Wahl. Mögen wir ihn finden. Sein Geist will uns führen und erleuchten.

Dies zu glauben, steht uns frei. Andere Antworten sind möglich. Sie zeigen die Freiheiten menschlichen Seins. Jede Freiheit ist eine Form der Wahrheit. Jede Antwort zeigt einen Teil der Wahrheit. Jeder Irrtum ist ein Weg zur Wahrheit. Jeder Beweis ist eine Hilfe zur Wahrheit. Jede Lüge zeugt durch ihr Gegenteil für die Wahrheit. Die Logik der Wahrheit ist, dass es nur eine geben kann.

Freiheit menschlichen Seins, wie Winston Churchil sie formulierte: "Derjenige muss in der Tat blind sein, der nicht sehen kann, dass hier auf Erden ein großes Vorhaben, ein großer Plan ausgeführt wird, an dessen Verwirklichung wir als treue Knechte mitwirken dürfen."

Der Plan

Eine Aussage über die Wahrheit lautet:

"Ich bin, ehe denn ein Tag war, und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann.

Ich wirke; wer will's wenden?"

Jesaja 43,13

Erinnern wir uns: Die Welt ist ein Indizienprozess. Alles Sein teilt sich mit und will erkannt sein. Das höchste Sein des Menschen äußert sich in der Frage: Was will ich? An jedem Ort unseres Lebensweges wartet sie auf uns und lädt ein, einzukehren und heimzukehren, Einkehr zu halten und dem Ziel entgegenzugehen. Des Menschen Antwort zeigt seine Berufung. Jeder Irrtum ist nur ein Umweg auf diesem Weg.

Liebe

Unser Leben hat nur dann einen Sinn, wenn jemand auf uns wartet, der uns liebt. Gott als der Grund allen Seins ist immer der Erste, der auf uns in seiner nie endenden Liebe wartet. Wo alles menschliche Sein zerbricht und zerbrochen wird, ist er der Erhabene, der uns in unserer Verlorenheit auffängt.

Dies ist der Sinn, die Liebe, seine Liebe. Sie hört niemals auf. Der Mensch, welcher das Glück hat, einen Menschen zu finden, der ihn liebt, erfährt auf diese Art etwas vom Abglanz der Liebe Gottes, die sich auch so äußern kann. Doch alles Menschliche ist vergänglich, weil zeitlich. Der Sinn unseres Lebens ist die Vorbereitung auf die Zeitlosigkeit, also Unvergänglichkeit. Das Zeitliche dient dem Ewigen. Das Grab ist nicht das Ende, sondern das Tor für den Ausgang im Endlichen zum Unendlichen.

Wo Kant von Aufklärung als "Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit" spricht, formuliert Platon die "Verpflichtung zur Aufweisung der ganzen philosophischen Aufgabe in ihrer Eigentümlichkeit mit all ihren Ansprüchen und ihrer großen Schwierigkeit den Menschen gegenüber. Hat einer das vernommen und ist er wirklich ein geborener und zur Sache berufener, das heißt ein göttlicher Mensch, so ist ihm, als habe er Kunde erhalten von einem Weg in ein Wunderland. Nun weiß er, dass er alle Kraft anspannen muss und dass das Leben anders keinen Sinn hat. So spannt er denn sich selbst mit dem Weiser jenes Weges zusammen und lässt nicht nach, bis er alles vollendet oder wenigstens die Kraft erlangt hat, dass er selbst so stark ist, sich selber ohne Wegweiser zu leiten. Auf diese Art und in dieser Gesinnung richtet ein solcher sein Leben ein. Wohl übt er den Beruf, in dem er gerade steht, aus, über allem aber hält er sich immer an die Philosophie und eine solche Lebensweise, die ihn aufs höchste lernbereit, gedächtnisfrisch und zu nüchternem Denken fähig macht. Die entgegengesetzte Haltung ist ihm zeit seines Lebens verhasst."

Wie aber wollen wir dieses Wunderland der Fülle des Lebens finden? Was kann uns Wegweiser sein? Wer könnte von sich behaupten, ein göttlicher Mensch zu sein, ohne sich des Verdachts der Vermessenheit auszusetzen? Wer sich nach Platon als göttlich empfindet, muss sich zuerst als Mensch finden. Aber auch diese Suche fällt nicht jedem leicht. Und wer sich als Mensch findet, findet auch sein Ich, diese nie versiegende Quelle von Gedanken, die fortwährend die Fülle des Lebens einfordern und damit ein Meer von Leiden durch ungestillte Sehnsucht erzeugen.

Wie aber kann Sehnsucht in einer unvollkommenen und beschränkten Welt gestillt werden? Eben, nur beschränkt. Diese Welt hat keine Antworten für Dinge, die über sie hinausweisen. Und das menschliche Ich, das seine Beschränkungen erkennt, muss sich ein Werkzeug suchen, das ihm ein über diese Welt hinaus Gehen ermöglicht. Dieses Werkzeug kann nur etwas sein, was fähig ist, nach der Transzendenz des über diese Welt hinaus Gehenden zu fragen. Somit muss es selbst transzendenter Natur sein. Hierbei offenbart sich des Menschen Geist als transzendente Instanz, weil die Suche des Ich nicht anders kann, als mit Hilfe seiner geistigen Natur den Geist Gottes zu finden. Er will das Ich des Menschen nicht auflösen, sondern bereichern, und füllt somit die Leere im menschlichen Sein, die von dieser Welt nicht gefüllt werden kann.

Sinn

Auf diese Weise lässt sich die absolute Realität Gottes erkennen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird beantwortet. Die eigene Existenz als gezeugter Mensch, der nicht gefragt wurde, kann angenommen werden. Vollkommene innere Befreiung ist die Folge. Tun und Lassen, Anspannung und Ruhe, Haben und Sein bekommen eine neue Dimension. Die Empfindung von universeller Einheit wird nicht als Gegensatz von Subjekt und Objekt erlebt, sondern als deren Ergänzung und Gemeinschaft. Lebensfülle, Friede und Heil werden uns durch und in Gott zu Teil. Er verkörpert das höchstmögliche Prinzip, das "Prinzip Liebe".

Der Weg der Erkenntnis ist ein Weg der Selbsterkenntnis. Wer diesen Weg konsequent geht, erkennt die Empathie (Einfühlungsvermögen) als Voraussetzung für die Liebe, von der wir stammen und zu der wir berufen sind. Wir sind von Gott geschaffen und von seiner Liebe gewollt. Unsere Bestimmung ist, als Gegenüber mit ihm und allen anderen geschaffenen Wesen in Gemeinschaft zu leben. Dies bedeutet, eins (einig) zu werden mit allem, auf dass Gott sei alles in allen.

Es bedeutet nicht, dass man sein Ich abtöten und sich selbst verleugnen soll. Menschlicher Adel ist, sich in der erhaltenen Freiheit zu einer eigenständigen und liebesfähigen Persönlichkeit mit einem gesunden Ich zu entwickeln, was alleinige Grundlage für Lebensfreude ist. Nur so sind wir geeignet zur Gemeinschaft mit Gott und mit Menschen. Dies bleibt einem abgetöteten Ich versagt. Ein gesundes Ich hat nichts mit einem zerstörerischen Egoismus zu tun.

Lukas 17,20: "Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch."

Wir strukturieren durch Denken unser Wissen, um Erkenntnis zu erlangen. Wissen setzt immer Bewusstsein als Fähigkeit, Wissen vorhanden zu erleben, voraus. Die Fähigkeit, Fragen zu stellen, ist grundlegend. Fragt ein Mensch, was ein Mensch ist, fragt der Geist nach sich selbst. Eine wunderbare Fähigkeit.

Der freie Wille wird immer wieder angezweifelt. Doch wer mag sich schon mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser nur Einbildung ist?

Nicolás Gómez Dávila: "Es reicht aus, dass man einen Unsinn systematisiert, damit er zur Meinung von vielen wird." 

Und Thomas Campbell.

Weltbild

Doch diese unsere Freiheiten sind zugleich auch Grundlage und Voraussetzung für unser unentrinnbares Schicksal. Es ist eben nicht möglich, kein Weltbild zu haben. Aus der Freiheit, sich für ein solches entscheiden zu können, entsteht gleichzeit der Zwang dazu durch Konstruktion einer ganz persönlichen Wahrheit.

Das Interessante bei philosophischen Diskussionen ist, wie Menschen ihr Weltbild verteidigen. Es gibt nichts Interessanteres als die Ergründung der Entstehung des Fundaments, auf dem Überzeugungen aufgebaut werden. Das Sprichwort "Liebe ist stärker als der Tod" kann hier erweitert werden mit "Weltbild ist stärker als der Tod". Es würde für jeden Menschen den mentalen Tod bedeuten, sein Weltbild aufgeben zu müssen. Deshalb würden wir lieber in den Tod gehen, als es aufzugeben.

Und tatsächlich geschieht dies auch immer wieder, wenn Menschen mit ihrem Weltbild nicht mehr klarkommen und freiwillig den Tod suchen. Es ist immer eine Tragödie, die zeigt, dass solche Menschen es nicht geschafft haben, die Liebe Gottes zu finden oder diese auf menschlicher Ebene zu erfahren.

Somit schließt sich der Kreis. Liebe ist immer Ursprung und Ziel zugleich. Wer sich hier nicht finden kann, läuft Gefahr, sich im Teufelskreis der Sinnlosigkeit wiederzufinden, in dem eine freudige Lebensbejahung unmöglich ist. Liebe ist also nicht nur stärker als der Tod, sie bewahrt auch vor dem Tod, weil ein von der Liebe ergriffener Mensch zu einer freudigen Lebensbejahung findet, die in dieser Liebe begründet ist. An dieser Stelle ist der Kreis tatsächlich geschlossen!

Fanatismus

Fanatisch zu sein (im positiven Sinne), ist also normal und natürlich, wenn es von Toleranz begleitet wird. Und da für viele Menschen das Weltbild durch ihre Religion begründet wird, schließt sich auch hier der Kreis, wenn man sich die ursprüngliche Bedeutung von "fanatisch" vor Augen führt:

lat. fanaticus: göttlich inspiriert, von der Gottheit ergriffen, zum Kult, zum Heiligtum gehörig;

lat. fanum: heiliger, der Gottheit geweihter Ort, Tempel, heiliger Bezirk, Sakralbereich.

Selbstverständlich kann auch jede andere Art von Dogma zu einem Gott erhoben werden. Man bedenke nur den Begriff Heiligsblechle des Gott Materialismus oder den Begriff Klimasünder des Gott Kohlendioxidbesteuerung. 

So bleibt die Frage, unter welchen Umständen wir in der Lage und bereit sind, unser Weltbild zu hinterfragen, es zu ändern und eine als Wahrheit erkannte Wahrheit als Teil-Wahrheit zu erkennen und weiter nach der ganzen Wahrheit zu suchen.

Wahrheit

Max Born hat sich auch zur Wahrheit geäußert: "Ich glaube, dass Ideen wie absolute Richtigkeit, absolute Genauigkeit, endgültige Wahrheit usw. Hirngespinste sind, die in keiner Wissenschaft zugelassen werden sollten. Diese Lockerung des Denkens scheint mir der größte Segen, den die heutige Wissenschaft uns gebracht hat. Ist doch der Glaube an eine einzige Wahrheit und deren Besitzer zu sein die tiefste Wurzel allen Übels auf der Welt." 

Die Wissenschaften begründen die Wahrheit jedoch nicht, sondern geben nur Zeugnis von ihr. Jedes Naturgesetz ist Ausdruck der ihm zu Grunde liegenden absoluten Wahrheit. Der Mensch kann mit seinem Intellekt die Absolutheit der wirkenden Wahrheit wahrnehmen und auf eine abstrakte Art und Weise "schauen".

Erwin Schrödinger formulierte in "Mind an matter": "Jedermanns Weltbild ist und bleibt eine geistige Konstruktion und hat darüber hinaus keine nachweisbare eigene Existenz."

Diese Konstruktion ist jedoch notwendig, weil sie in letzter Konsequenz immer eine geistige Weltkarte darstellt, an der wir uns stets bei der Begehung der physischen Welt orientieren müssen, weil sie die einzige für uns existierende Wahrheit ist. Die größtmögliche Übereinstimmung dieser Konstruktion mit der Realität ist also in unserem ureigensten Interesse. Schließlich bestimmt sie unser Wollen und somit unser Tun und Lassen, welche die Dinge in die Existenz bringen, und somit unser Schicksal.

Klaus Gebler hat zum Thema Weltbild ebenfalls sehr interessante Gedanken ins Internet gestellt.

Die höchste Logik ist die Logik des Sinns des Seins. Dem gemäß hat alles, was ist, einen Sinn, weil es ist. Begegnet uns das Böse, dient es der Erkenntnis des Guten. Ist etwas falsch, zeigt es uns das Richtige. Ist es sinnlos, zeigt es uns den Sinn.

Auch die uralte Frage, warum nicht nichts "ist", findet hier ihre Antwort: weil etwas ist. Man mag das für plump und banal halten, aber die Logik dieser Antwort ist schwer zu widerlegen. Die Annahme einer Existenz ohne Anfang (Sein, Gott) ist erkenntnistheoretisch zwingend, weil das Seiende (Schöpfung) nicht einem Nichts entspringen kann.

Wer leidet, erkennt, wie eine Welt gestaltet werden muss, in der es kein Leid gibt. So wird der Sinn einer Welt ohne Leid erkannt und deren Voraussetzungen. Eckhart Tolle: "Das Leid ist nötig bis man erkennt, dass es nicht nötig ist."

Tod

Und der Sinn des Lebens? Joachim Illies antwortete auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main auf die Frage eines Journalisten nach dem Sinn des Lebens: "Der Sinn des Lebens ist der Sinn des Todes."

Er sagte das in seiner Todesstunde, in der er an einem Herzinfarkt starb. Auf dem Weg nach Hause starb er in den Armen seiner Frau. So wurde ihm sein irdischer Heimweg zum Weg in die ewige Heimat. Der Sinn des Todes ist das Tor, durch welches wir vom zeitlichen und unvollkommenen Leben in das vollkommene und ewige eintreten, in dem Angst, Leid, Schmerzen und Tränen keine Daseinsberechtigung mehr haben. Erde zu Erde. Asche zu Asche. Staub zu Staub. Geist zu Geist.

Der Tod hat die Aufgabe, zu trennen. Was von Gott gegeben wurde, wird durch den Tod getrennt. Ein toter Körper, der nur deshalb dem Tod anheim fiel, weil er nicht mehr in der Lage war, die Verbindung zu seiner Umgebung aufrecht zu erhalten, gibt dem lebenden Geist die Freiheit, ihn zu verlassen, um in die ewige Umgebung des Geistes Gottes einzutreten, die ihm ewiges Leben garantiert. Der bisher in die Materie inkarnierte Geist kehrt zu seinem Ursprung zurück, um zur Anschauung Gottes zu gelangen und in der geistigen Welt weiterzuleben.

Platon hat das auf seine Weise formuliert: "Nur ein schmaler Pfad, sozusagen, scheint uns beim Betrachten mittels des reinen Denkens zum Ziele zu führen; denn solange wir den Körper haben und unsere Seele mit einem solchen Übel verwachsen ist, werden wir nie befriedigend erreichen können, wonach uns verlangt; und das ist doch, sagen wir, die Wahrheit. Denn der Körper macht uns tausenderlei zu schaffen vermöge der unentbehrlichen Ernährung. Wenn sich dann ferner noch Krankheiten einstellen, so hindern uns diese, dem wirklich Seienden nachzujagen. Ferner erfüllt uns der Körper mit Liebesgelüsten und Begierden, mit Besorgnissen und mancherlei Trugbildern und vielen Kindereien. Es ist vielmehr wirklich für uns eine ausgemachte Sache, dass wir uns von ihm losmachen und mit der Seele allein die Dinge an sich betrachten müssen, wenn wir jemals etwas rein erkennen wollen. Und dann erst wird uns, wie es scheint, das zuteil werden, was wir begehren und was wir zu lieben behaupten, die Vernunfterkenntnis nämlich, wenn wir tot sind."

Menschliche Begrenztheit mahnt zu Bescheidenheit und Demut. Menschliche Denkweisen sollten nicht als Wahrheit interpretiert werden, sondern nur als Versuch, sich der Wahrheit zu nähern. Wahrheit im philosophischen Sinne ist das Sein als allem Bewirkten zu Grunde liegende Realität ohne Anfang in der Zeitlosigkeit, aus dem das Seiende als geschaffene Wirklichkeit in der Zeit hervorgeht. Wahrheit im menschlichen Sinne ist die Begrenztheit aller Erkenntnis.

Triumph des Willens zur Macht

Oswald Spengler in Der Untergang des Abendlandes: "Es handelt sich in der Geschichte um das Leben und immer nur um das Leben, die Rasse, den Triumph des Willens zur Macht, und nicht um den Sieg von Wahrheiten, Erfindungen oder Geld. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht: sie hat immer den stärkeren, volleren, seiner selbst gewisseren Leben Recht gegeben, Recht nämlich auf das Dasein, gleichviel ob es vor dem Wachsein recht war, und sie hat immer die Wahrheit und Gerechtigkeit der Macht, der Rasse geopfert und die Menschen und Völker zum Tode verurteilt, denen die Wahrheit wichtiger war als Taten, und Gerechtigkeit wesentlicher als Macht.  

Wir haben nicht die Freiheit, dies oder jenes zu erreichen, aber die, das Notwendige zu tun oder nichts. Und eine Aufgabe, welche die Notwendigkeit der Geschichte gestellt hat, wird gelöst, mit dem einzelnen oder gegen ihn."

Kommentar auf http://www.zeit.de/1984/37/der-untergang-des-abendlandes

"Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der Mächtigere von beiden."
Napoleon Bonaparte

Notwendigkeit der Geschichte? Aus welcher Wahrheit könnte man eine solche ableiten? Aus der Kraft des Stärkeren?

Not durch von Menschen gemachte Geschichte entsteht immer aus Mangel an Erkenntnis. Wir haben die Freiheit, uns unserer Irrtümer zu entledigen. Die Wahrheit macht frei.

Macht um ihrer selbst willen führt immer in die Versklavung. Dies zeigt die Tierwelt, in der das Recht auf Leben aus der Verurteilung zum Tod entsteht. Leben entsteht immer nur aus Leben. Deshalb liegt auch der Ursprung der Welt in einem Leben, das sich für die Schaffung der Welt entschieden hat. Sollte dieses Leben sich also tatsächlich dafür entschieden haben, Leben durch die Vernichtung von Leben zu erhalten? Das sei ferne. Die Ursache für den Tod ist sicherlich woanders zu suchen.

Das Geheimnis des Bösen ist noch nicht offenbar. Aber das wird mit Sicherheit nicht ewig so bleiben. Der Ursprung allen Seins ist eine Macht, die es nicht nötig hat, sich selbst durch den Tod ad absurdum zu führen. Allein der Begriff Macht ist Garantie dafür, dass die Instanz der Macht so mächtig ist, dass sie nicht den Tod als Seinsprinzip auswählen, geschweige denn akzeptieren muss. Es darf wohl angenommen werden, dass jede Art von Machtmißbrauch woanders zu suchen ist. Dies zu erkennen heißt, die Liebe als Grundlage allen Seins zu erkennen. Gelangt die Liebe zur Macht, ist Machtanwendung aus niedrigeren Motiven heraus nicht mehr notwendig, und irgendwann einmal auch nicht mehr zulässig und möglich!  

Recht zu bekommen kann keine Frage des Mißbrauchs der Macht sein, sondern der Beachtung der Grundlage allen Seins. Diese ist die Quelle, zu der wir die Verbindung verloren haben. Im Meer des Mißbrauchs der Macht kann man ertrinken, bei der Liebe als Quelle allen Seins aber verdursten, wenn man meint, auf ihr Wasser verzichten zu können.

Die Grundlage des Aufstiegs einer Kultur liegt im kompetenten Gebrauch der Macht. Schlägt die Kompetenz in Mißbrauch um, wird automatisch der Niedergang eingeleitet. Deshalb ist die Frage nach der Quelle der Macht unumgänglich. Jesus Christus hat nicht umsonst zu Pilatus gesagt, dass er keine Macht über ihn hätte, wenn sie ihm nicht von oben gegeben wäre. 

"Wenn kein Mensch mehr die Wahrheit suchen und verbreiten wird, dann verkommt alles Bestehende auf der Erde. Denn nur in der Wahrheit sind Gerechtigkeit, Frieden und Leben." Friedrich von Schiller (1759 - 1805)

Pilatus bekam beim Verhör von Jesus auf die Frage, ob er ein König sei, die Antwort: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre es von dieser Welt, würden meine Diener für mich kämpfen. Ich bin in die Welt gekommen, um für die Wahrheit zu zeugen, und wer aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme." *

Und so sprach Pilatus das berühmt gewordene Wort aus: "Was ist Wahrheit?"

Albert Einstein hat vermutlich die Wahrheit, von der Jesus sprach, gespürt, als er sagte:

"Es gibt nur eine Stelle in der Welt, wo es nicht dunkel ist: das ist Jesus Christus."

Konfuzius: "Ich würde eine ehrenwerte Sprache benutzen. Ich würde die Dinge bei ihrem richtigen Namen nennen. Wenn wir die Dinge nicht bei ihrem konkreten Namen nennen, dann bedeuten Worte nichts mehr. Wenn Worte nicht die Realität widerspiegeln, dann ist das, was wir sagen, nicht das, was gemeint ist. Wenn aber das, was wir sagen, nicht das ist, was gemeint ist, können wir nicht klar denken und nichts kann erreicht werden. Nur wenn wir die Dinge bei ihrem richtigen Namen nennen, ist es möglich, wahrhaftig und ehrlich über die Dinge zu sprechen." 

"Mein ganzes Leben war eine einzige, lange Suche nach Gott. Überall, zu jeder Stunde, an jedem Ort habe ich seine Spur, seine Gegenwart gesucht. Der Tod wird für mich nichts als ein wunderbarer Aufbruch sein.

Nur im Dienste eines Herrn leistet man das, was man wirklich kann.
Es gibt keinen höheren Herrn als Gott.

Es gibt ein gutes Mittel, einen Freund zu gewinnen: das  Lächeln. Ein offenes und freies Lächeln. Lächeln können, welche Macht! Es gibt mir die Macht zu beruhigen, zu lindern, auf andere einzuwirken.

Verharre in der Liebe Gottes wie in der Helle des jungen Morgens; dann gleitest du über die glitzernde Fläche des Morastes hinweg, ohne im Schlamm abzusinken."

Guy de Larigaudie (1908 - 1940, französischer Pfadfinder und Schriftsteller)

Ich danke an dieser Stelle Dorothee Pfrommer vom CVJM-Gesamtverband, die mir in ihrer Reutlinger Zeit wertvolle Impulse gegeben hat zu dem, was Guy de Larigaudie das Wichtigste war.

Bruno Würtenberger: "Ich will diese Welt verbessern. Ich will die Liebe spüren, mit der sie einst erschaffen wurde und die einst auch regiert hat. Das ist meine Aufgabe. Ich hatte auch nicht gewusst, was ich auf diesem Planeten soll. Da war kein Gott, der es mir sagte. Das läuft ganz anders. Der Auftrag ist in uns drin. Man kann sich eine Aufgabe aussuchen. Und am besten sucht man sich die, die am tiefsten im eigenen Herzen brennt. Ich gehe auf eine Abenteuerreise. Was will ich dort machen? Ich mach mir einen Plan. Da kommt keiner und sagt, ob es gut oder schlecht ist. Du fühlst, ob es richtig oder falsch ist."

Werner Heisenberg: "Wenn man in dieser westlichen Welt fragt, was gut und was schlecht, was erstrebenswert und was zu verdammen ist, so findet man doch immer wieder den Wertmaßstab des Christentums auch dort, wo man mit den Bildern und Gleichnissen dieser Religion längst nichts mehr anfangen kann. Wenn einmal die magnetische Kraft ganz erloschen ist, die diesen Kompaß gelenkt hat – und die Kraft kann doch nur von der zentralen Ordnung her kommen –, so fürchte ich, daß sehr schreckliche Dinge passieren können, die über die Konzentrationslager und die Atombomben noch hinausgehen."

http://www.zeit.de/1969/34/kein-chaos-aus-dem-nicht-wieder-ordnung-wuerde/seite-1

"Ein Gott, Gesetz und Element, ein fern erschautes göttlich End' ist aller Welten Wanderziel."

Tennyson ("In Memoriam") am Grabe seines Freundes

Zitat aus Das Naturgesetz in der Geisteswelt von Henry Drummond

Albert Einstein

"Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast."

Gott ist unser bester Freund. Sein Warten hat kein Ende.

Er ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Tiefenpsychologie

Viele Menschen bekommen Angst, wenn sie in die Tiefe ihres Seins vordringen und sich selbst analysieren. Diese Angst ist mit vielen Rätseln verbunden, weil es eine Angst vor dem eigenen Sein ist, also der Angst vor dem freien und unabhängigen Geist, der jedem Menschen gegeben ist. Es ist gleichsam eine Angst vor sich selbst, weil die Persönlichkeit des Ich sich über seine Geistigkeit definiert. Die Angst, die dieser Geist empfindet, kann im Grunde genommen auf die elementarste Urerfahrung zurückgeführt werden, die er macht, wenn er seine Freiheit und Unabhängigkeit anwendet. Ist es denn in den allermeisten Fällen nicht so, dass unser Denken, Fragen, Tun und Sein auf irgendeine Art und Weise mit den Begrenztheiten dieser Welt konfrontiert werden? Es ist letztlich also keine Angst vor sich selbst, sondern vor den möglichen Konsequenzen des eigenen Tuns.

Die Anwesenheit dieser Angst ist leicht festzustellen. Sie kann sowohl eine Schutzfunktion sein als auch eine gegenteilige Wirkung in der Hemmung des zur Entfaltung strebenden Lebens haben. Wie so oft im Leben, sind wir auch hier gefordert, nach bestem Vermögen abzuwägen und die Handlungsfreiheit im Schatten dieser Angst weitgehend aufrecht zu erhalten.

Die Natur der Begrenztheiten bildet eben das Maß für die Freiheit und erzeugt jede Art von Konfrontation bei Grenzüberschreitungen. Haben wir immer den Mut, diesen Konfrontationen zu begegnen? Wenn wir uns nun als freie und unabhängige Geister in dieser Welt der Begrenztheiten vorfinden, kommt das einem Sein gleich, welches von einem verlorenen Paradies spricht. Dies ist vermutlich auch die Grundlage für diese tiefe, unendliche Sehnsucht nach erfülltem Leben, deren Maß das Maß an Begrenztheit widerspiegelt.

Nehmen wir unseren Geist als frei und unabhängig wahr, ergibt sich daraus die Frage, warum dieser frei und unabhängig ist, nach Freiheit und Unabhängigkeit strebt, und warum es Menschen gibt, die anderen Menschen diese Freiheit und Unabhängigkeit nicht zugestehen.

Angst ist der Verlust der inneren Sicherheit. Die Angst vor der Selbsterkenntnis entsteht durch das Ausgesetztsein der Gefahr, die Stimmigkeit und den Zusammenhalt im Selbst oder bei den Mitmenschen zu verlieren. Beide sind notwendig, um seelisch und psychisch gesund zu bleiben, und werden erlebt, wenn die eigene Wahrheit als kohärent (zusammenhängend) und kongruent (Übereinstimmung von Fühlen, Denken und Handeln) mit der Umwelt erlebt wird.

Instinktiv wehren wir uns dagegen, unsere seelische und psychische Gesundheit preiszugeben durch Auseinandersetzung mit anderen Wahrheiten. Das Ausmaß unserer Widerwilligkeit ist Maß für den Mangel an Vertrauen, das wir nie entwickeln konnten bei unserer Prägung durch Autoritäten und Umstände. Hieraus entsteht jede Art von innerer und äußerer Auseinandersetzung, im harmlosen Fall durch Widerspruch und Streit, im extremen Fall durch Krieg.

Die Problematik dieser Tatsache hat Aaron Antonovsky sehr deutlich aufgezeigt in der Salutogenese.

Wer den Mut zur Selbstanalyse hat, stellt fest, dass er einen ständigen Kampf führt gegen die Bedrohungen für die eigene Wahrheit (seelischer und psychischer Selbsterhaltungstrieb). Im Kampf ist jedes Mittel recht, wobei die Wahl der Mittel von der Hilfslosigkeit eines Kämpfenden zeugt. Dabei entspricht die durch Angst freigesetzte Zerstörungskraft der Größe des Gefängnisses, in dem ein Mensch sich selbst gefangen hält. Dieses Gefängnis nennt sich Weltbild und ist ein Abbild des Wissens, das uns durch das Bewusstsein bewusst wird.

Man nehme den Begriff Bewusstsein einfach mal wörtlich: Sein, dessen man sich bewusst ist: Wissen. Wissen als Gefängnis in der Größenordnung, wie das Innen dieses Gefängnisses sich zu seinem Außen verhält!

Man kann es aber verlassen durch Nachdenken. Hierbei erweist sich das Wissen, welches man über die Dinge erlangen kann, als Weg zu den Dingen, über die man nichts wissen kann. Dieser heißt Logik und nennt sich Philosophie. Sie erschließt sich das Wissen außerhalb des Gefängnisses durch das Wissen im Gefängnis. Die Immanenz ist der Weg zur Transzendenz. Eine Teil-Wahrheit weist immer hin auf die ganze Wahrheit.

Die Grundlage jeder seelischen und psychischen Krankheit ist also bedingt durch die Art und Größe des Gefängnisses, in dem sich ein Mensch befindet (und zum Teil auch selbst gefangen hält). In diesem Gefängnis ist auch festgelegt, welche Eigenschaften wir unseren Mitmenschen zuordnen. Und welche wir ihnen zuordnen, hat oft weniger mit den Betroffenen selbst zu tun als eher mit unserer ureigenen Art, unsere Mitmenschen zu sehen, also mit der Perspektive unseres Gefängnisses.

Es ist auch ganz natürlich, unseren Schatten, also unbewusste Aspekte unserer eigenen Psyche, mit denen wir uns nicht gerne selber identifizieren, auf unsere Mitmenschen zu übertragen. In unseren Mitmenschen erleben wir immer auch wesentliche Aspekte unserer eigenen Persönlichkeit (Ähnlichkeit der Gefängnisse). Dies führt sehr oft zu Missverständnissen, Verwirrung und zu Konflikten. Unser Leben wäre sicher um vieles einfacher, wenn wir das besser durchschauen könnten, also unserem Gefängnis besser entrinnen könnten.  

Als Ursache für die meisten psychischen Probleme wird in der analytischen Psychotherapie ein innerseelischer Konflikt angenommen, der in der frühen Kindheit entstanden ist. Weil das Kind diesen Konflikt nicht auflösen konnte, ist er in das Unterbewusstsein abgetaucht und kann später das Verhältnis zu sich selbst und zu anderen torpedieren.

Unaufgelöste Konflikte sind also eine Art seelischer Schutt, der uns daran hindert, falsche Sichtweisen abzulegen, weil er auf dem Weg zu erlösenden Perspektiven das Weitergehen verhindert.

Bewusstsein und Wirklichkeit

Herbert Pietschmann: "Unterliegen wir nicht alle immer wieder der Versuchung, uns die Mühsal zu ersparen und unsere Wirklichkeit gegen Widersprüche abzumauern? Wir brauchen dann nicht mehr ernsthaft zuzuhören, wenn wir mit anderen sprechen. Wir wählen einfach diejenigen Gesprächsfetzen aus, die in unsere Wirklichkeit passen und überhören alles andere. Einiges läßt sich vielleicht noch im Sinne unserer Wirklichkeit umdeuten, aber selbst das macht oft Mühe, die wir uns gerne ersparen. Wer aber durch längere Abschnitte des Lebens dieser Versuchung erliegt, wird erstarren. Ohne dies selbst zu spüren, erleben andere ihn oder sie als versteinerten Menschen mit undurchdringlichen Schutzmauern und ohne Humor. Der Preis für die Sicherheit und Bequemlichkeit einer festgelegten Wirklichkeit ist die Aufgabe des Lebendigen. Wenn dies nicht von einzelnen, sondern von großen Gemeinschaften geschieht, sprechen wir von Ideologie."

Diese Neigung zur Selbsttäuschung ist vermutlich auch der Grund dafür, dass wir uns von anderen so leicht täuschen lassen.

Mark Twain: "Es ist leichter, die Menschen zu täuschen, als davon zu überzeugen, dass sie getäuscht worden sind."

Napoleon: "Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde."

Deshalb haben viele Deutsche noch nicht bemerkt, dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen. Was ist denn der Unterschied zwischen "Staatsangehörigkeit deutsch" und "Staatsangehörigkeit Deutschland"?


Lüge

Josef Goebbels, Reichsminister für Propaganda in Nazi-Deutschland von 1933 bis 1945: "Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben. Man kann die Lüge solange behaupten, wie es dem Staat gelingt, die Menschen von den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Konsequenzen der Lüge abzuschirmen. Deshalb ist es von lebenswichtiger Bedeutung für den Staat, seine gesamte Macht für die Unterdrückung abweichender Meinungen einzusetzen. Die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates."


Allgemeiner Relativismus

"Die Sophisten bieten allerdings sogleich auch wieder den Beleg dafür, wie gefährlich das Instrument des menschlichen Geistes sein kann. Der menschliche Geist vermag nämlich vieles, was sich als glänzende Tugend geben, dabei aber glänzendes Laster sein kann. Das zu durchschauen, erfordert selbst wieder nicht bloß Geist, sondern Reife des Geistes.

Die Sophistik entsteht zu einer Zeit, in der Griechenland sich anschickt, Großmachtpolitik zu treiben. Zu so etwas braucht man Könner. Die Sophisten boten sich an, solche Könner auszubilden. Sie versprachen, die Aretē zu lehren. Übersetzt man diesen Ausdruck wörtlich mit Tugend und versteht Tugend im herkömmlichen Sinn, dann kommt genau das Gegenteil von dem heraus, was gemeint war. Aretē heißt nämlich im Munde der Sophisten nur Tüchtigkeit. Und diese Tüchtigkeit war nicht wählerisch. Es war eine Tüchtigkeit, die zu allem fähig war (panurgia), wie Platon treffend dafür gesagt hat. Hauptsache war den Sophisten dabei die Rhetorik, die Kunst, sprechen, schreiben und auftreten zu können. Das gerade braucht ja der politische Führer. Und da hatten sie nun gefährliche Grundsätze: Man müsse verstehen, etwas zu werden, der Erste zu sein, Macht zu erwerben und zu behalten, sich durchzusetzen, das Leben zu meistern und es zu genießen. Dafür war dann alles recht - und daher ihr Grundsatz, der tüchtige Redner müsse fähig sein, die schlechtere Sache zur stärkeren zu machen, nicht durch die Erhellung der Wahrheit, sondern einfach durch Überredung. Daher Platons ständiger Tadel: Euch geht es überhaupt nicht um die Sache oder um die Wahrheit oder um das Recht, euch geht es nur um die Macht, und im Grunde seid ihr ohne jede Einsicht in die Wahrheit und die Werte des Menschen - und darum seid ihr nicht Führer, sondern Verführer.

Dafür besaßen die Sophisten auch die entsprechende Weltanschauung, einen allgemeinen Relativismus: Es gibt keine Wahrheit, und gäbe es eine, dann könnte man sie nicht erkennen, und könnte man sie erkennen, wäre sie nicht mitteilbar, wie Gorgias (483-375) zu sagen pflegte. Oder wie einer ihrer bekanntesten meinte, Protagoras (ca. 481 - 411), alles sei relativ, subjektiv, je nach dem Dafürhalten des Einzelnen: "Wie etwas mir erscheint, ist es für mich, wie dir, so ist es für dich."

 Darum steht nichts mehr dem Menschen gegenüber, weder objektive Sachverhalte noch ein ewiges Recht noch ewige Götter, sondern "der Mensch ist das Maß aller Dinge" (Protagoras). Die Sophisten bemühten sich, auf alle Weise zu zeigen, wie relativ die Satzungen des Rechtes, der Sittlichkeit oder der Religion seien. Nichts sei hier "von Natur", d. h. ewig gültig, sondern alles sei nur durch menschliche "Satzung" und Übereinkunft so geworden. Und auch für ihre Machtideologie suchten sie nach einem philosophischen Mäntelchen. Es sei das Gesetz der Natur, so meinten sie, dass der Stärkere über den Schwachen herrsche. Das war hier das "Naturrecht". Bei Nietzsche und Hobbes wird es später wieder aufleben.

Dass die vielberedete Relativität nicht die sittlichen Werte selbst betraf, sondern nur das menschliche Bewußtsein von diesen Werten, nicht die objektive Geltung, sondern nur die geschichtliche Ausdrucksform, diese tiefere Einsicht war ihnen nicht aufgegangen. Und auch nicht die andere Unterscheidung, dass ihr "natürliches Recht" nur natürliche Begehrlichkeit ist, wie Thomas Hobbes die selbe Sache sehr viel später richtig nennen wird. Aber es hat einen Mann gegeben, der ihnen ihre Wertblindheit genau vorrechnete, Platon. Alle seine Jugendschriften sind gegen die Sophisten gerichtet. Das witzigste Argument dabei war sein Wort vom Lügner und vom Dieb. Platon sagte nämlich, man müsse den Grundsatz, dass es nur auf das Können allein und als solches ankomme, einmal richtig durchdenken. Wenn es wirklich so ist, dann ist der Lügner "besser" als der, der die Wahrheit spricht, denn er überrundet ihn ja; und ebenso ist dann der Dieb "besser" als der Wächter, denn er "kann" ja noch mehr, weil er ihn überlistet. Mit dem Können allein ist es also nicht getan.

Aber das wird oft nicht recht durchschaut. Die Kunst des schönen Sprechens und Schreibens, also das humanistische Ideal der nur formalen Bildung, wird immer Gefallen finden. Für diese Leute hat Platon umsonst geschrieben, soviel Kluges sie auch über ihn zu sagen wissen. Sie sind daher in seinen Augen nur Liebhaber des Wortes (philologoi), aber nicht des Gedankens und seiner Weisheit (philosophoi), weil die Reife des Geistes fehlt, sein Wahrheitsbewußstein und das Wertgefühl der sittlichen Vernunft. Es gibt eine ewige Sophistik, die immer den Schein mehr lieben wird als das Sein. Alle Leistung wird immer blenden. Wenn man aber das Können des Menschen, sei es nun Wissen oder Willensmacht, nicht unter sittliche Wertprinzipien stellt und davon leiten lässt, dann hat das seine Konsequenzen. In einer Weltanschauung, die an Leistung und Macht allein orientiert ist, wird der Egoismus zur Notwendigkeit werden. Man kann ihn dann maskieren, kann die Lüge Propaganda heißen und den Diebstahl Gemeinwohl, aber bei der Tatsache der bloßen Macht wird es bleiben. Wer ihre Vorteile genießen will, wird dann auf immer abhängen von der höchstmöglichen Raffinesse jener routinierten Könner, die zu allem fähig sind."

Johannes Hirschberger, Kleine Philosophiegeschichte, Die Sophistik - Umwortung und Umwertung

Die richtige Art des Fragens

"Sokrates wurde etwa hundert Jahre nach Pythagoras geboren (um 470). Er wird immer als der Vater der abendländischen Philosophie bezeichnet, sieht man aber genauer hin, muß man eingestehen, daß er die abendländische Kultur gerade nicht mit dem beerben konnte, was ihm am teuersten war. So wird er gerne als Musterbeispiel für die richtige Art des Fragens hingestellt - ein Wunschtraum, der bis heute (vor allem in den Schulen) kaum eingelöst ist. Sokrates führte den Lehrdialog ein, anstatt von oben herab eine autoritäre Belehrung auszuüben. Diese »Hebammenkunst« (Maieutik) sollte die vernünftige Einsicht in ein tugendsames Leben wecken und Schluß machen mit einer bloß nachahmenden »Mimesis«, die dem Selbst-Sein - einer authentischen Persönlichkeitsentwicklung - letztlich nur im Wege steht. Die Maieutik bestand aus zwei, bei ihm noch eng verflochtenen Stärken des menschlichen Geistes: der Kunst einer sehr erfolgreichen Vernunftargumentation und der inneren Stimme, die er, entsprechend seiner Zeit, seinen »Daimonion« nannte. Sokrates versuchte so durch einfühlendes und logisches Fragen die im Schüler schlummernde Einsicht und authentische Wahrheit zu entbinden (in moderner Form finden wir diese Wende erst wieder bei der »Dialogik« eines Martin Buber und bei Carl Rogers). Die Verurteilung des Sokrates bekundet, wie gefährlich Macht-»Habern« unabhängiges Denken und geistige Aufbrüche bereits im Athen jener Zeit erschienen sind."

Dr. Claudius Kern, Macht und Ohnmacht der Philosophie, Zur Ideologiegeschichte des Abendlandes

"Dieser kritische Beitrag geht der Frage nach, wie sich in der abendländischen Denktradition ein bestimmtes ideologisches Verständnis der Wirklichkeit herausgebildet hat: eine fast perfekte Entfremdung im Namen der Wahrheit. Dieser Entfremdungsprozeß läßt sich historisch von der Antike bis in die Neuzeit verfolgen, frei nach dem Grundsatz: du siehst nur, was du sehen willst."

Wie wir fragen, so sind die Antworten, die wir über die Wirklichkeit erhalten. Unser Fragen bestimmt in einem Maße unser Mensch-Sein in der Welt, das nur wenigen bewusst ist. Was ist unser Erkennen heute? Es ist mehr denn je verbildet und intellektuell verschult. Im Grunde ist es ein "Lochstreifenbewusstsein", d. h. wir erkennen damit immer nur die Ausschnitte der Wirklichkeit, die anzuschauen wir willens sind, die wir akzeptieren. Wie sehr schon unsere Sprache die "akzeptierte Wirklichkeit" vorherbestimmt, hat recht schlüssig und humorvoll Watzlawick in seinen Werken gezeigt. Dazu treten dann noch die persönlichen Zu- und Abneigungen, Elternhaus, Schule, Zeitgeist usw. Wie jedoch können wir dieses Labyrinth an persönlichen Konzepten, mentalen und emotionalen Zwängen und Einfriedungen unseres Bewußtseinshorizontes überwinden?

Wir bauen also bloß fortlaufend an unserem geistigen Gefängnis durch die kategorialen Filter, mit denen wir die Welt betrachten. Und hinter diesen stehen meist unterschwellige, erkenntnisleitende Interessen (Gewohnheiten), die nur fortbestehen, weil sie nicht hinterfragt werden, mehr noch, weil sie innerhalb herkömmlicher Wissenschaftlichkeit überhaupt nicht hinterfragt werden können! Wem das bewusst wird, dem brennt zunehmend die Frage auf der Seele: "Kann ich sie abbauen und wie, ohne dass ich selbst dabei überschnappe?" Doch das ist genau die Frage vieler spiritueller "Aussteiger", Schamanen und Mystiker. Sie hören auf, sich die Welt um ihre Bedürfnisse herum anzupassen. Sie versuchen, ihr Verstrickungsgespinst zu lösen, anstatt es immer nur neuen Moden und Tageserkenntnissen anzupassen. Ihre Politik geht in Richtung "Sein" statt "Haben", "Loslassen" statt "festhalten", den inneren Dialog beenden und endlich "Durchblick" in einer ganz anderen, übergeordneten Weise zu gewinnen."

Konsequenz

Klären wir uns also selbst auf durch den Ausgang aus unserer nicht nur selbst verschuldeten Unmündigkeit durch die Entwicklung von Entschlußkraft und Mut mit unserem vermögenden Verstand ohne Leitung eines anderen. Jede Art von Autorität kann in Anspruch genommen werden, sollte aber missachtet werden, wenn es sich als wertlos oder destruktiv erweist.

Hans A. Pestalozzi bezeichnet dies als "sich dem System verweigern". Lebst du, um die Gesellschaft zu verändern oder um dein Leben zu leben? Glaubst du nicht, dass du dadurch, dass du dich diesem System verweigerst, letztlich auch das System veränderst, indem du es untergräbst?"

Dies kann nur gelingen, wenn wir die allem zu Grunde liegende Wahrheit erkennen. Nicht ein Tropfen Wasser fällt vom Himmel, der nicht von der hinter den Naturgesetzen waltenden Wahrheit geleitet wäre. Nicht ein Gedanke kann gedacht werden, der nicht auf der Wahrheit gründet, die der Möglichkeit zum Denken zu Grunde liegt. Sie zu finden bedeutet, wissen, was zu tun ist. Der Weg zur Wahrheit kann nur die Wahrheit selbst sein. Sie ist Ausgangspunkt und Ziel. Solange sie uns nicht leitet, werden wir immer in der Nacht des Irrtums umherirren.

Rückkehr zum Ursprung

Fjodor Michailowitsch Dostojewski: "Wir haben gesunde Entschlüsse nötig; früher werden wir nicht zur Ruhe kommen. Und nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft. Ruhe aber haben wir wenig, besonders geistige Ruhe fehlt uns, und gerade diese wäre die Hauptsache, denn ohne geistige Ruhe gibt es auch keine andere."

Immer mehr Menschen verlieren die Verbindung zur Quelle. Die Schönheit des Meeres entsteht durch die es speisende Quellen. Im Meer kann man ertrinken, bei der Quelle aber verdursten, wenn man meint, auf ihr Wasser verzichten zu können.

Leben

Bernhard Philberth: "Was ist Wirklichkeit? Wirklichkeit ist das, was Gott nach seiner Art geschaffen hat. Ihm stehen alle Möglichkeiten offen. Er hat der Weisen Weisheit zunichte gemacht und der Verständigen Verstand verworfen. Er hat Vernichtung den Götzendienern angekündigt, die Schemen und Prinzipien anbeten, statt ihn selbst.

Jeder Mensch ist strukturiert, immer anders als die anderen, meist sogar in vielerlei Weise. Jeder Mensch hat seine besondere Individualität, in welcher er andere Menschen ermißt. Dies ist von großer Bedeutung für jede Art von Urteilsbildung und jedes Urteil überhaupt. Jede Denkart ist von eigener Seinsstruktur. Damit sind alle Grundlagen für die Bildbarkeit allgemeingültiger Urteile wesenhaft in Frage gestellt."

Galerie des Lebens

Das Leben ist eine tägliche Aufforderung, über alles nachzudenken, was erfahrbar ist und wahrgenommen werden kann.

Was wir denken, hat seine Folgen. Diese sind wie kleine Mosaiksteine, die sich in unserem Gedankengebäude zu vielen Bildern zusammenfügen und in der Galerie unseres Lebens aufgehängt werden, um unser Weltbild zu veranschaulichen. Die Gefahr des Irrtums ist unser ständiger Begleiter und alle Erkenntnis ist begrenzt. Umso mehr sind wir gefordert, die Wahrheit zu suchen.  

Auch wenn wir es nicht merken, befinden wir uns immer mitten in dem größten Abenteuer, zu dem Menschen berufen sind, ihrem eigenen Leben. Werden Menschen Menschen zum Wolf, wird das Leben zur Hölle. Erkennen Menschen ihre Berufung, wird unser Leben zum Himmel. Aus falschem Denken entspringt immer die Hölle. Man kann diese sich selbst oder anderen Menschen bereiten.

Was also wollen wir? Wissen wir immer, ob wir das wollen, was wir "wollen"? Nur die Demut weist den Weg. Hochmut führt immer in die Hölle. Doch wie können Verführte dies erkennen?  

Viele meiner Aussagen sind lediglich Annahmen aufgrund der Erkennbarkeit logischer Strukturen im Wahrnehmbaren. Es ist der nie endende Versuch, zu erkennen, die Liebe zur Weisheit zu leben, die Wahrheit in allen Dingen zu finden.

Die Wahrheit lässt sich nicht verbergen. Die Welt ist ein Indizienprozess und kündet von ihr auf vielerlei Art und Weise. Alles Suchen ist vorläufig. Der Sinn existiert. Das Ziel auch. Es liegt an uns, den Lebensweg entsprechend zu gestalten.

Wohin des Wegs?

Menschen tun sich schwer, die Lebenswege anderer Menschen zu verstehen. Doch wer verlangt es von Ihnen? Jeder kann nur seinen eigenen gehen.

Verlier nie den Blick für Deine Bestimmung. Sie lässt Dich Dein Ziel erkennen. Wer erkennt, dass die Liebe Grundlage von allem ist, kann nicht mehr fehl gehen. So wird jeder Weg zu einem Heimweg.

Die Liebe ist Ursprung und Ziel allen Seins, der Sinn die Erwiderung dieser Liebe. Wer dies spürt, kann nicht mehr anders, als ihr zu dienen.

Der Sinn einer langen Nacht ist die Vorbereitung auf den kommenden Tag. Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Das Licht des anbrechenden Tages wird es zeigen.

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